CABOVERDE   2006
 


19./ 20. Februar 2006

Am Nachmittag ist Liliane mit mir nach Kloten gefahren. Kein Passagier am Check-In. So liebe ich die Fliegerei. Abflug pünktlich um 19.45 mit „Portugallia“ nach Lissabon. Der Anschlussflug nach Sal wäre regulär 45 Minuten später. Wir müssen aber noch zwei Maschinen abwarten. Wegen sieben Personen sitzen wir am Flughafen fest. Die Stimmung  ist gereizt. Mir ist es eigentlich egal, da die Ankunft in Sal regulär um 0.50 Uhr wäre, und eine Pension aufzusuchen lohnt sich nicht. Nach fünf Stunden heben wir endlich ab. Ankunft
am „Amilcar Cabral Airport" um fünf Uhr morgens. Ich setze mich auf eine Bank, döse vor mich hin und warte bis das Leben am Flughafen erwacht. Zuerst öffnet die Bank. Ich wechsle Sfr. 800.00 und gehe zum TACV-Schalter. Auf der Anzeigetafel sehe ich zwei Flüge an diesem Tag nach São Vicente. Meine Hoffnungen an diesem Tag wegzukommen zerschlagen sich aber schnell, da die Dame mir freundlich erklärt, es sei alles ausgebucht, aber ich könne mich auf die Warteliste setzen lassen. Ich warte bis am Mittag, aber keine Chance einen Platz zu bekommen. Ich kaufe ein Ticket für morgen und gehe zu Fuss nach Espargos ins „Bom Dia“, um ein Bier zu trinken. Ich spreche mit zwei Emigranten von São Nicolão, die  drei Tage hier festsitzen werden. Sie erklären mir, dass ein Flugzeug der TACV defekt in Dakar stehe. Darum der Engpass mit den Sitzplätzen. Ich gehe ins Zentrum und fahre mit dem Aluguer nach Santa Maria. Bei der Amélia im „Alternativa“ hat es Platz. ECV 2800 ist der aktuelle Preis für Uebernachtung und Frühstück. Das ist doppelt so viel wie vor ein paar Jahren. Es ist überhaupt hier alles viel teurer geworden. Gehe ins „Morabeza“, um Bernard zu begrüssen. Es ist eben ein Reisegruppe angekommen, und er erklärt Ihnen die Gegebenheiten im Hotel und gibt ihnen Informationen über die Insel Sal. Anschliessend gehen wir in die Pool Bar um zu plaudern. Er erzählt von seinem Traum, auf der Insel Maio eine Pension mit Surfbasis zu eröffnen, aber leider hapere es mit der Finanzierung. In der Ferne sehe ich den neuen Hotelkomplex „Riu Funana“, von dem ich gelesen habe. Er ist etwa 2 Kilometer vom Morabeza entfernt. Ich gehe den Strandweg bis zum Ende. Dann zwischen ganzen Häuserreihen hindurch, alles halb fertig und fest in italienischen Händen. Ich kann einfach nicht verstehen, was jemanden bewegt auf dieser trostlosen Insel ein Haus oder Wohnung zu erwerben Das einzig attraktive ist ja der Strand, aber die Sicht darauf ist bereits versperrt. Je mehr ich mich dem „Riu Funana“ nähere, desto unwirklicher erscheint mir dieses Projekt. Es erinnert mich an Disneyland. Alles im maurischen Stil, obwohl diese in der ganzen Vergangenheit nie Einfluss hier hatten. Die Kapazität beträgt 1000 Betten. Die Hälfte des Komplexes ist eröffnet und ausgebucht. Wie ich an der Porte vorbeigehen will, fragt mich der Pförtner, wo ich mein Armband habe. Die Gäste des Hotels werden mich solchen markiert, so dass man im Dorf jedermann seinem Hotel zuordnen kann. Ich erkläre ihm, dass ich einen Rundgang durch das Hotel machen wolle. Aber winkt ab. Es sei nur zweimal „Besuchstag“ pro Woche für Nichtgäste. Ich schaue ihn nur mitleidig an und es ist ihm sehr peinlich. Wir diskutieren noch über das Prinzip „full inclusive“ dieses Hotels. Dass die lokalen Restaurant, Bar, und Boutiquebesitzer keine Chance haben am Tourismus teilzuhaben, und etwelche das Handtuch schon geworfen haben interessiert ihn nicht sonderlich. Für ihn und viele andere ist so ein Projekt die Garantie für ein regelmässiges Einkommen. Dass das lokale Personal in der Regel nicht gefördert und der Gewinn ins Ausland abgezogen wird, ist noch ein anderes Thema. Ich verlasse das Ghetto, geh mich umziehen um zu Abend essen. Spaghetti al frutti di Mare, umgerechnet Sfr. 24.00. So kann es nicht weiter gehen



21.Februar 2006
Morgenessen bei Amélia auf der Veranda. Ich stelle mit Schrecken fest, dass  meine treuen Meindl-Schuhe im Begriff sind, sich aufzulösen. Der Absatzbereich ist gerissen, Und der Inhalt bröselt heraus. In meiner Not gehe ich zum Schuhmacher in den „Mercado
Municipal“.  Ein origineller Typ mit einer Einrichtung wie vor 100 Jahren. „Sapataria Pinquim“ nennt er seinen Einmann-Betrieb. Er füllt die Absätze mit Stückchen von alten Velopneus, verklebt sie, und bindet alles zusammen. Richtige Handwerksarbeit. Er will kein Geld annehmen und so bedanke ich mich mit ein paar Feuerzeugen und Kugelschreiber. Am Nachmittag pünktlicher Abflug nach São Vicente. Der Taxifahrer, der mich nach Mindelo bringt, ist von der Insel Brava, die ich sehr gut kenne und er freut sich über seine Heimat zu sprechen, denn er hat immer wieder Heimweh, aber auf Brava besteht keine Möglichkeit Arbeit zu finden. Er empfiehlt mir das Hotel „Chave d´ Ouro“ am Hafen. Ein altes Gebäude mit 3 meter hohen Zimmern und Bad und WC im Flur. Ich vereinbare mit Amadé von der Reçeption, dass er mir während des Karnevals ein Zimmer freihält. Vis-a-vis befindet sich der „Clube Nautico“, der weit herum bekannt ist. Nebenan auf der Praça trinke ich am Quiosque ein Bier. Es treiben sich etliche Gestalten herum, die mich auf englisch ansprechen und sich als Kapverder ausgeben. Als ich das Gespräch auf portugiesisch weiterführe, ist mir klar, dass es sich um Senegalesen handelt. Sie sind hier nicht beliebt. Kaum einer hat eine Aufenthaltsgenehmigung, aber niemand unternimmt etwas, da die Kosten für eine Ausschaffung die Staatskasse zu sehr belasten würde. Ich geh in den Clube Nautico zum Essen, und ab neun Uhr gibt es lokale Livemusik. Sehr gute Stimmung. Zu fortgeschrittener Stunde mache ich noch einen Spaziergang durch die Altstadt. Alles wie ausgestorben. Ein letztes Bier in der Snack Bar beim Hotel, wo mich drei Prostituierte ansprechen. Ich winke ab, und als ich das Lokal verlasse, bemerke ich hinter mir  Schatten. Diverse Hände packen mich von hinten und der rechten Seite, und eine greift mir in die linke Hosentasche. Ich wehre mich und brülle auf gut portugiesisch Ausdrücke die nicht im Wörterbuch stehen. Es waren doch tatsächlich die drei Damen von vorhin, die mich berauben wollten. Eine neue Erfahrung.


22.Februar 2006
Es ist  sechs Uhr morgens und noch dunkel. Die ersten Leute sind auf dem Weg zur Arbeit.
Ich gehe die Uferpromenade entlang bis zum Quai, wo die Fähre nach Santo Antão auf mich wartet. Um 7 Uhr geht es los. Wie meistens Kreuzsee zwischen den Inseln. Das Schiff rollt. Die Stühle auf Deck werden zusammengebunden und viele Passagiere übergeben sich. Ein Angestellter ist andauernd beschäftigt das Deck zu reinigen. 9.00 Uhr Ankunft in Porto Novo. Am Quai stehen Dutzende von Aluguers bereit. („aluguer“ heisst mieten. In Caboverde sind das Pick Up´s oder Kleinbusse, die erst losfahren wenn das Fahrzeug voll ist). Aber keiner fährt nach Tarrafal, meinem nächsten Ziel.  Nach langem Fragen finde ich das einzige Fahrzeug, das dorthin fährt. Der Fahrer teilt mir mit, ich solle in der Hafenkneipe warten. Er hole mich um 13.00  Uhr ab. Wir fahren 2 Stunden in dem Städtchen herum um das Fahrzeug zu beladen. Endlich geht es los. Der Pick Up vollbeladen mit Reissäcken, Wasser und Benzinkanistern und ich und vier andere Personen oben drauf. Es geht flott voran auf der Pflasterstrasse, aber zu früh gefreut. Nach 2 Kilometern ist Schluss. Nur noch durch Geröll, von Strasse keine Rede mehr. Wir überqueren einen Pass auf 1500 meter Höhe wo sich die letzten Gehöfte befinden. Dann durch eine Mondlandschaft, und dann von einer Felskante aus, sieht man in der Tiefe Tarrafal. Die Einheimischen entscheiden sich, den Fussweg zu nehmen. Ich mache nicht mit, da der Weg fast senkrecht, hunderte von Meter in den Abgrund führt. Die Fahrstrasse wird immer jämmerlicher. Es ist eine richtige Tortur auf der Holzsitzbank. Stehen wäre angenehmer aber gefährlich, da man heruntergeschleudert würde. Wir erreichen die Pension „Mar Tranquilidade“, wo ich von Frank und Susi begrüsst werde. Sie wundern sich über meine Anwesenheit, da ich nicht angemeldet bin. Es hat aber noch ein Zimmer frei. Ein kleines, strohgedecktes Häuschen mit allem Nötigsten versehen. Ich gehe am menschenleeren, schwarzen Sandstrand spazieren, und es ist wirklich so wie der Name der Pension sagt. Das Meer ist glatt wie ein See, ein paar Fischer sind mit Ruderbooten unterwegs, und das auf dem offenen Atlantik. Das Phänomen ist aufgrund der geographischen Lage. Tarrafal liegt im äussersten Westen abgeschirmt durch eine hunderte von Metern hohen Felswand. Da  der Wind das ganze Jahr immer von Nordosten weht, ist hiervon nichts zu spüren. Nachtessen bei Sonnenuntergang im „Mar Tranquilidade“ im Vorgarten. Wir sind 10 Gäste. Später Spaziergang ins Dörfchen auf einen Grogue und ein Bier im Krämerladen. (Grogue ist das Nationalgetränk. Ein Zuckerrohrprodukt vom starken Rum über die süsse Variante „Ponche“ bis zum Sirup und Konfitüre).

Susi und Frank und Impressionen von Tarrafal



23.Februar 2006
Stehe um 10.30 Uhr als letzter auf. Zu spät zum Morgenessen, aber ein Kaffee tut es auch. Wanderung zu einem kleinen Vulkankegel. Geröll so weit das Auge reicht und eine Affenhitze. Totale Windstille. Tarrafal ist der mit Abstand heisseste Ort des ganzen Landes. Plötzlich taucht wie aus dem Nichts am Horizont eine Gestalt auf. Es ist Heinz,  ein Arzt aus
Zürich. Er scheint offensichtlich persönliche Probleme zu haben wie ich aus seinen Ausführungen entnehme, darum sei er hier um abzuschalten. Den Rest des Tages verbringe ich im Dörfchen, wo ich Simão treffe. Er ist Lehrer, Arzt und Musiker. Ein interessanter Typ. Er wird von den Dorfbewohnern hoch geschätzt und bewundert, da er ein grosses Allgemeinwissen hat, und längere Zeit in Frankreich verbracht hatte. Er unterrichtet gerade in der kleinen Dorfschule. Ich bleibe einen Moment stehen, um zu lauschen. Wie er mich sieht, bittet er mich herein. Eine Schulklasse von etwa 15 Kindern im Primarschulalter. Er stellt mich ihnen vor: Dieser Herr kommt aus der Schweiz,  weiss jemand  wo dieses Land ist? Ein paar strecken auf. Und so erzähle ich etwa eine halbe Stunde über die Schweiz und Europa. Sie lesen mir die Wörter förmlich von den Lippen ab. Nach Schulschluss kommen sie in den Krämerladen vis-à-vis, sobald sie mich sehen. Ich spendiere etwas zu trinken und gesalzene Erdnüsschen. Apéro wie immer vor dem Mar Tranquilidade zum Sonnenuntergang. Nach dem Abendessen gehe ich zu Zina, der Nachbarin um eine Flasche Grogue zu kaufen. Es ist schliesslich mein Geburtstag. Alle freuen sich und wünschen mir Glück. In der Dorfschule brennt noch Licht. Simão ist mit ein paar Schülern am musizieren. Sie spielen für mich „Happy Birthday“. Anschliessend lade ich sie noch auf einen Drink ein,



24.Februar 2006
Abmarsch um 11.00 Richtung Ribeira do Tarrafal. Es ist ein extrem steiler gepflasterter Maultierpfad der nicht enden will. Auf einer Höhe von 300 metern liegt der Dorfteil Povão, eine Ansammlung einiger bunter Häuser. Ständig begegnen mir Jugendliche, die Reissäcke, Fisch, Kartonschachteln und andere Gegenstände herauftragen. Für uns wäre das Schwerstarbeit.
Der tägliche Gang zur Schule ist noch ein anderes Thema. Plötzlich höre ich hinter mir Trittgeräusche. Es ist ein 72jähriger Bauer mit seinem alten, vollbepackten Esel. Wir gehen nebeneinander her, und er erzählt mir von seiner Tochter, die in Lissabon wohnt, und das er auch schon da gewesen sei. Ich bin nicht in der Lage ihm mit einem ganzen Satz zu antworten, da ich keine Luft mehr kriege, so schnell gehen die Beiden. Bewundernswert diese Kondition, und laut seiner Aussage hat der Esel auch schon 24 Jahre auf dem Buckel. Er meint, dass er einer der letzten Bauern hier sei. Aufgrund der Dürre habe dieser Beruf keine Zukunft, und die Jungen wandern alle aus. Auf dem Rückweg auf halber Strecke riecht es so eigenartig. Die Groguedistillerie ist wieder mal in Betrieb. Sie wollen mir ein Glas offerieren. Aber ich lehne dankend ab. Ich habe ja noch einen Fussmarsch vor mir. Sie lachen nur und erzählen von zwei Franzosen, die ein bisschen länger da waren, und als um Mitternacht wie immer der Strom abgestellt wurde gingen sie los. Beide stürzten unterwegs. Bilanz: Einer hatte einen blutigen Kopf und der andere den Knöchel gebrochen. Am Nachmittag gehe ich das erste Mal baden. Ich bin die einzige Person im am Strand und im Wasser. Barfuss am Strand zu gehen ist unmöglich so heiss ist der schwarze Sand. Wie muss das erst im Sommer sein. Ich plaudere noch mit den Fischern und einer der nur Kriolu spricht, fragt mich immer wieder, ob ich den „Lula artificial“ gesehen habe. Uebersetzt heisst das kunsthandwerklicher Tintenfisch. Er nimmt mich am Arm und zeigt auf die Angelrute von Gerhard. Der Köder ist ein rosaroter, ca. 3 Zentimeter kleiner Tintenfisch aus Kunststoff. Er ist völlig überwältigt davon.

Groguebrennerei in Tarrafal  Der Weg nach Povão


25.Februar 2006
Heute bin ich der erste am Morgenbuffet. Ich habe nämlich Lust auf Brot. Susi teilt mir mit,
dass mein Haus ab morgen vermietet ist. Jaime, einer aus dem Dorf offeriert mir ein Zimmer, aber als am Nachmittag ein Aluguer vorfährt, beschliesse ich abzureisen. Es geht plötzlich alles sehr schnell, und ich muss meine nasse Wäsche, die mir Zina gewaschen hat, so mitnehmen. Unterwegs halten wir an. Es hat ein paar Grasbüschel am Wegrand. Der Fahrer erklärt mir, dass sei gutes Futter für seine zwei Kühe. Etwa eine Stunde sind wir damit beschäftigt den Pick Up mit Gras vollzuladen. In Porto Novo gehe ich in die Pension „Por do Sol“. Gute Adresse. Zimmer mit warmem Wasser, Air Condition und Fernseher. Aber ECV 3200. Aus dem Park dröhnen Sambarhythmen. Die Leute stimmen sich auf den bevorstehenden Karneval ein. Spaziergang durchs Dorf. In der Hafenkneipe treffe ich André Mégroz, dessen Konterfei ich schon im Internet gesehen habe. Er ist aus Ostermundigen, 70 Jahre alt und verbringt das halbe Jahr hier. Er ist Skipper und organisiert Törns. Er ist mit einer Gruppe von 8 Leuten von São Nicolão herübergeschippert. Er freut sich über meine Anwesenheit, und ich beschliesse, mit ihnen zum Essen zu gehen. Unterwegs kommen wir an einer Nazarenerkirche vorbei, und Gesang schallt uns entgegen. Ich beschliesse einen Moment reinzugehen, und die anderen folgen mir. Es ist wie immer sehr eindrücklich. Die Kirche  gerammmelt voll. Und das jeden Tag. Unseren Geistlichen würden die Tränen kommen.. Zum Nachtessen gibt es bife de atum e patatas fritas. Es ist ein Nichtraucherlokal. Jetzt fängt das hier auch schon an. Der Fahrer zeigt uns sein Haus in der Nähe.  Typisch kapverdisch. Ein Parterrehaus mit drei Zimmern und jede Menge kleine Kinder.



26.Februar 2006
Wie abgemacht treffe ich die Gruppe um 9 Uhr am Hafen. Wir fahren mit dem Toyota Hi Ace die Passstrasse hoch. Am höchsten Punkt hält er an. Wir sind auf ca. 1200 metern Höhe. Wunderbarer Blick in den Cova-Krater, wo jeder Fleck der guten Erde zum Gemüseanbau
genutzt wird. Wir fahren bei wolkenlosem Himmel durch Pinien, Föhren und Tannenwälder. Ich fühle mich fast wie zu Hause. Wir erreichen die Küste und besichtigen in Vila das Pombas die grösste Distillerie der Republik, die heute als Freilichtmuseum dient. Nach einer Viertel-Stunde ist Ponta do Sol erreicht. Ich steige bei der Pensão „Fátima“ aus. Eine Empfehlung von André. Fátima ist eine ältere, rundliche Person mit südeuropäischem Aussehen. Die Kolonialherren lassen grüssen. Ueberhaupt sind die Leute von Santo Antão viel hellhäutiger als auf Santiago. Das erklärt sich durch den Umstand, dass Santo Antão nicht in den Sklavenhandel involviert, und so der afrikanische Einfluss sehr schwach war. Auch die Musikkultur ist völlig anders. Wo auf Santiago die Perkussion ein wichtiger Bestandteil ist, dominieren auf den nördlichen Insel Saiteninstrumente wie Violine, Gitarre und eine Art Ukulele. Fatima will 2000 ECV für Uebernachtung und Morgenessen, was angemessen ist, wenn man in Betracht zieht, dass es ein neues Gebäude mit allem Komfort ist und direkt am Meer liegt. Von der Terrasse aus sehe ich dem Treiben der Fischer zu und  geniesse den Anblick und das Donnern der bis zu vier Meter hohen Brandung. Ich gehe in das einfache Hafenrestaurant das auf der äussersten Felsklippe liegt und die Form eines Schiffbauchs hat, verabschiede mich von der Reisegruppe und besichtige das kleine Dörfchen, ebenso den stillgelegten „Flugplatz“. Länge der Landepiste vielleicht 300 Meter. Am Anfang und am Ende nur Wasser Starten und Landen war immer ein gefährliches Unterfangen  und nur speziell ausgebildete,  einheimische Piloten wurden eingesetzt. Nach dem dritten Absturz bedingt durch starke Fallwinde aufgrund der hunderte Meter hohen Felswand im Rücken wurde der Flugbetrieb eingestellt. So ist die zweitgrösste Insel wieder abhängig vom Fährverkehr von São Vicente.

   
Pensão Fátima Blick nach R.Grande Auf der Passhöhe    



27.Februar 2006
Nach dem Morgenessen gehe ich ins Gemeindegebäude, wo sich das Cyber Café befindet. Originell eingerichtet mit alten Holzfässern, einer Snack Bar und nebenan die Bibliothek. Ich checke meine E-Mails, und stelle fest, das meine Familien besorgt um mich sind. Ich bin jetzt schon eine Woche weg, und sie hatten kein Lebenszeichen von mir. Mein Sohn hat mir Fotos vom Feuerwehreinsatz aufgrund des Jahrhundertschnees geschickt. Ich glaube meine Entscheidung hier zu sitzen, ist schon richtig. Ich gehe ins Restaurant „Aurora“ und frage die Wirtin, ob sie mir Spaghetti kocht. Sie willigt ein, obwohl das nicht auf der Speisekarte steht. Nach dem Sonnenuntergang noch einen Stop in einem Hafenbeizlein wo Live-Musik spielt. Ein Deutscher, der sich hier als Wanderführer für einen Touroperator verdingt, spricht mich an. Er dominiert das ganze Treiben mit seiner grossen Klappe. Er weiss einfach alles. Als ich mich auf portugiesisch einmische und damit das Interesse auf mich lenke, verlässt er das Lokal. Völlig bescheuerter Typ.

Cyber Café in Ponta do Sol


28.Februar 2006
Heute ist Karneval. Im Dorf nur ein paar verkleidete Hunde, die das sichtlich geniessen, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Ausser ein paar Typen , die wie die Geistesgestörten auf ihren Motorräder mit abgeschraubtem Auspuff das Dorf unsicher machen, ist nichts los. Ich fahre nach Ribeira Grande, dem Bezirkhauptstädtchen. Dort läuft noch weniger. Die letzte Hoffnung ist Paúl. Der Tag ist gerettet. Karnevalumzug hauptsächlich mit Schulklassen und
Sambagruppen. Rio de Janeiro im Kleinen und das bei wolkenlosem Himmel, was hier nicht selbstverständlich ist. Die Farbenpracht vor dem blauen Atlantik und das Geräusch der Brandung ist unvergesslich. Ich treffe Claudio Brito, ein etwa 18jähriger von Ponta do Sol, und er teilt mir mit, dass er und ein paar andere sich bei Cândida in der Bar treffen. Ich soll doch auch kommen. Erst nach langem Nachfragen finde ich das Lokal. Es ist ein kleines typisches kapverdisches Einfamilienhaus, aber nicht beschildert. Ist ja auch nicht nötig in so einem kleinen Dorf. Cândida begrüsst mich herzlich und erklärt mir, dass ganz selten ein Fremder den Weg hierher findet. Im Schlafzimmer haben ein paar ihrer 16 Kinder eine Disco eingerichtet. Sie essen in 3 Schichten. Der Zusammenhalt dieser Familie ist bewundernswert, wenn man bedenkt, dass der Erzeuger nach dem letzten Produkt das Weite gesucht hat. Heute wird es ein bisschen später, aber ich finde den Heimweg auch im Dunkeln.

         
         
         




01.03.
Heute beabsichtige ich meine langersehnte Wanderung nach Fontainhas zu unternehmen.
Es geht den Berg hoch. Am Ende des Dorfs der Fussballplatz und daneben der, wie überall, sehr gepflegte Friedhof, vorbei am Reservoir links und rechts den Schweinestallungen, die von der Behörde seit Jahren aus dem besiedelten Raum verbannt sind. Der gepflasterte Maultierpfad windet sich immer höher hinauf. Weit und breit kein Mensch. Aus der Höhe blicke ich zurück auf Ponta do Sol, das den Namen wirklich verdient. Auf der äussersten Landzunge gelegen, bietet es wirklich den Anblick des Sonnenauf- und untergangs. Nach etwa einer halben Stunde hinter einem Felsvorsprung erkennt man das Dörfchen. Es klebt förmlich an einer Steilwand und jeder Quadratmeter fruchtbarer Boden ist angebaut. Ich lasse Fontainhas hinter mir, und der gepflasterte Weg wird schmaler. Er windet sich immer höher hinauf. Gottseidank hat es ein Steinmäuerchen auf der rechten Seite und ich muss nicht in die Brandung sehen. Mein Ziel ist Gruzinha da Garça. Eine Wegstrecke von 3 Stunden. Auf halbem Weg fehlt aber die Steinmauer und ich sehe in den hunderte Meter tiefen Abgrund. Ich beschliesse umzukehren, da mir schwindlig wird. War gleichwohl ein schönes Erlebnis. Anschliessend gehe ich wieder ins Cyber Cafe, um meiner Portugiesischlehrerin ein E-Mail zu schicken. Ich bitte den Besitzer des Cafés eventuelle Korrekturen anzubringen. Aber ich habe das Gefühl, er verschlimmbessert es nur. So sende ich meine Version.

Blick zurück auf Ponta do Sol auf dem Weg nach Fontainhas



02.März 2006
Am Morgen Abfahrt nach Ribeira Grande zu TACV-Büro. Der Angestellte in Pilotenuniform erklärt mir freundlich, dass bis am 9.3. alle Flugzeuge ausgebucht sind. Aus mein Traum von einem Besuch der südlichen Inseln. Es bleibt mir nichts anderes übrig als ein Ticket nach Sal zu kaufen. Er akzeptiert keine Kreditkarte. So bezahle ich in bar, gehe am bewaffneten Sicherheitsbeamten der vor dem Tresor steht vorbei um bei der BCA einen Traveller Check einzulösen. Wie immer Schlange stehen. Der Schalterbeamte verlangt Sfr. 25.00 Gebühr. Eine bodenlose Frechheit. Aber in Caboverde ist der Traveller Check die einzige Alternative zu Bargeld. Nun sitze ich hier auf Santo Antão fest. Aber zum Glück ist es landschaftlich die abwechslungsreichste Insel. Ich erkläre Fátima, dass sie noch ein paar Tage mit mir vorlieb nehmen muss. Ihr ist es recht..



03.März 2006
Am Morgen mit dem Aluguer hoch zum Covakrater, diesmal aber hat es dichten Nebel und ist empfindlich kalt. Ich steige aus, um den Abstieg in den Krater und anschliessend den Weg
in die Ribeira do Paúl in Angriff zu nehmen. Als ich die Kraterebene erreiche hat sich die Sicht auf ca. 10 Meter verschlechtert und ich kann mich nur noch am Ziegengemecker und Gegacker der Hühner orientieren, wo eine Besiedlung ist. Ein freundlicher Herr bestätigt mir, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde. Aber bald ist von einem Weg nichts mehr zu sehen, und der steinige Boden ist glitschig und nass. Ein Bauer mit Kühen kommt mir entgegen, und ich beschliesse mit ihm zurückzukehren. Nach 2 Stunden stehe ich wieder auf der Fahrstrasse und warte. Ab und zu kommt ein Aluguer aber alle aus der falschen Richtung. So gehe ich zu Fuss los. Ein eigenartiges Gefühl in den Passatwolken durch einen Nadelwald zu gehen. Auf der Passhöhe angekommen, mache ich Rast und plötzlich ist der Nebel weg. Wie wenn man einen Vorhang öffnet, liegt die ganze Landschaft vor mir. Man sieht bis an die Küste mit Ribeira Grande in der Ferne. Zwei alte Herren kommen mir von einem Gehöft entgegen und setzen sich neben mich. Der eine zeigt mir eine Arbeitsbewilligung von Bremen aus den frühen 60er Jahren und erzählt mir, dass er zur See gefahren ist und die ganze Welt gesehen hat, aber am besten gefalle es ihm immer noch hier. Der andere erklärt mir, dass er Primarlehrer in Lagoa sei und es würde ihn freuen, wenn ich ihn einmal besuchen käme. Endlich kommt ein Aluguer die Passstrasse hoch und nimmt uns mit. Gang ins Cyber Café in Ponta do Sol um meine E-Mails zu checken. Es herrscht reger Betrieb, und bis ein Computer frei wird, unterhalte ich mich mit einer mittelalterlichen Südafrikanerin, die eine Zeitlang in Angola gelebt und sich für den Rest des Lebens England als Bleibe ausgesucht hat. Der Einfluss der verschiedenen Wohnorte hat seine Spuren hinterlassen. Sie redet in einem Mischmasch von Portugiesisch, Afrikaans und Englisch. Zwei Italiener aus Bergamo setzen sich zu uns. Sie sprechen ausschliesslich italienisch. Das Sprachchaos ist perfekt, aber gleichwohl unterhaltend.

Welche Gegensätze auf Santo Antão



04.März 2006
Heute beschliesse ich Alfred Mandl zu besuchen. Da ich den Weg vom Cova-Krater hinunter ins Tal wegen des dichten Nebels nicht gefunden habe, nehme ich das Aluguer. Wir fahren di
e Ribeira do Paúl hoch. Die Strasse windet sich endlos in die Höhe. Wie immer Pflasterstein besetzt und extrem schmal. Die Aussicht ist ein Traum. Alles grün. Zuckerrohr und Mangoplantagen so weit das Auge reicht. Ein extremer Gegensatz zum westlichen Teil der Insel, der völlig vegetationslos ist. In Lodinho, einem der hinteren Dörfer, steigen die letzten Fahrgäste aus und ich beschliesse den Rest zu Fuss zu gehen. Ich begegne einem einheimischen Ingenieur, der mit einem Theodoliten topografische Aufnahmen macht. Auf seine Tätigkeit angesprochen erklärt er mir von einem Projekt von verschiedenen Reservoiren, die geplant sind um auch das ganze Tal ausreichend mit Wasser zu versorgen. Ich erreiche Chá Jão Vaz (Originalton: Tscha Schuaung Wasch). Ich verstehe manchmal Leute, die mir sagen, sie können nicht verstehen, dass man so eine Sprache überhaupt lernen kann. Mitten im Dörfchen sehe ich eine Tafel mit Messer und Gabelsymbol. Ein Mitbringsel aus Oesterreich. Ich betrete das Anwesen. Eine gedeckte Bar. Zwei Frauen sind gerade am Cachupa kochen. Auf  einem Tisch eine Auslage mit Cd´s von lokalen Musikinterpreten. Dahinter stehen dutzende von grünen Flaschen und wie könnte es anders sein: Alles, vom Grogue über den süssen Ponche bis zum Sirup. Alles made by Alfred. Er sitzt in seinem Büro am Laptop und freut sich über meine Anwesenheit. Wir sprechen über Land und Leute, denn er ist der wahre Pionier in Sachen Wandertourismus in Caboverde. Er hat sich vor über 15 Jahren selbständig gemacht und organisiert Wandertouren. Immer wieder erklärt er mir, dass er trotz seiner langen Haare kein Aussteiger sei. Zwei Motorräder stehen vor dem Haus und erzählt mir, wie schwierig die Ersatzteilbeschaffung ist. Er bittet mich um meine E-Mail-Adresse wie ich ihm erzähle, dass ich beruflich mit motorisierten Zweirädern zu tun habe. Ebenso wäre ich  bereit Ersatzteile für die Aussenbordmotoren der Fischer zu organisieren. Wir beschliessen zur Küche zu gehen, weil wir hier draussen plötzlich im Nebel stehen und es sehr frisch ist. Alfred klagt über die anhaltende „Kälte“. Er erzählt mir, dass er nicht weit von hier in Lagoa ein Grundstück gekauft hat. Lagoa ist nur ein paar wenige Kilometer von hier entfernt, liegt aber auf der westlichen Seite des Passes. Dort ist mit ewigem Sonnenschein zu rechnen. Ich gehe etwa 2 Stunden die Ribeira hinunter bis nach Vila das Pombas am Meer. Auf der Praça in Ponta do Sol steht wie überall ein knallroter Coca Cola Quiosque, wo es Getränke und Snacks gibt. Es hat nur einen Kunden. Es ist Nite aus Salt Lake City, der seit 2 Jahren hier in Ponta do Sol für eine gemeinnützige Organisation arbeitet. Er wollte zuerst nur kurze Zeit bleiben, aber dieser Archipel hat es ihm angetan. Er hat sich gut integriert und spricht fliessend portugiesisch. Am liebsten würde er für immer hier bleiben. Wir gehen zu „Housi´s Place“. Ein altes Haus mit einem schönen Innenhof, der als Bistro dient. Hans ist aus Bern und lebt seit Jahren hier mit seiner Frau Helena aus Ribeira Grande zusammen. Er ist ein Partner von Alfred. Vier Fischer kommen um ihren Fang anzubieten. Ich lade sie ein. Und so verbringen wir den Abend im Freien. Schöne Atmosphäre. Im Hintergrund hört man ganz leise die Brandung.

zu Hause bei Alfred

Ribeira do Paúl
 

Housi's Place

gemütliche Runde

Saúde!!!



05.März 2006
Nach dem Morgenessen packe ich zusammen und gehe zur Reçeption um zu bezahlen. Die Pension wie ausgestorben. Alle sind in der Kirche. So warte ich bis Fátima zurückkommt.
Ich verabschiede mich von ihr wie auch vom Ehepaar vom Cyber Cafe, dort ist nämlich auch der Standplatz der Aluguers. Nach etwa einer Stunde fahren wir los. In Ribeiera Grande auch alles ausgestorben. Ich treffe Lima, den Fahrer, der die Route Ribeira Grande – Porto Novo fährt. Wir machen einen Treffpunkt ab, und so habe ich noch über 2 Stunden Zeit das Städtchen zu besichtigen. In Porto Novo angekommen gehe ich wieder ins „Por do Sol“. Am Hafen ist ein Riesengedränge, da die letzte Fähre nach São Vicente fährt. Ich stelle mich am Ticketschalter bei „Armas“ an, um ein Ticket für die Ueberfahrt für morgen früh in der Tasche zu haben.

Wie immer emsiges Treiben am Hafen von Porto Novo



06.März 2006
Bin schon um 3 Uhr früh wach. Mache einen kleinen Spaziergang durchs Quartier. Morgenessen auf dem Balkon im obersten Stock. Am Fernseher läuft eine Uebertragung vom Karneval in Rio de Janeiro. Pünktliches Ablegen der Fähre um 9.00, wie immer deftiger
Seegang. Die Bilder auf dem Deck wiederholen sich. Viele Leute machen diese Ueberfahrt jeden Tag um nach São Vicente zur Arbeit zu gehen, und wenn man da nicht seefest ist, dann grüss Gott. In Mindelo miete ich mich bei „Chez Loutcha“ ein. Eine Pension, die mir jemand auf der Fähre empfohlen hat. 2000 ECV inklusive Frühstück. Sauber und gut und im Zentrum. Ausgedehnter Marsch durch die Hauptstadt. In einem äusseren Wohnquartier sehe ich ein kleines Schild „Snack Bar BASEL“. Ich traue meinen Augen nicht. Oben am Tresen hängt ein Kupferstich von Basel und Fotos vom FCB. Dahinter ein älterer dunkler Herr. Ich spreche ihn auf baseldeutsch an und er antwortet mir tatsächlich. Er erzählt, dass er in den 80er Jahren in der Zentralwäscherei gearbeitet und an der Mittleren Strasse gewohnt habe. Er spricht noch immer leidlich Baseldeutsch. Wie klein doch die Welt ist. Er lädt mich für den Abend in die Disco ein. Aber ich winke ab. Die Zeiten sind für mich vorbei. Er schüttelt nur den Kopf und meint, er sei ja noch älter als ich, aber er brauche das zwischendurch. Auf dem Heimweg beschliesse ich Cesária Evora zu besuchen. Ihr Haus ist nur ein Steinwurf vom Palaçio entfernt. Die Läden sind geschlossen, und die Nachbarin erklärt mir, dass sie in Paris ein Konzert gibt. Abendessen im Clube Nautico, wie immer mit Live-Musik. Sie spielen meinen Lieblingssong „Mulheres“ von Martinho da Vila. Er ist zwar Brasilianer aber in Sachen Musik sind auch die Spitze. Um zehn Uhr verlasse ich den Clube Nautico. Keine Menschenseele weit und breit. So trete ich meinen Heimweg an. Bei „Chez Loutcha“ angekommen, höre ich gedämpfte Musik. In einer Nebenstrasse hat noch ein Lokal geöffnet. Am Tresen stehen zwei jüngere Typen, die mich auf meine Herkunft ansprechen, und aus dem Gespräch entnehme ich, dass sie bei der Guarda Costeira arbeiten. Caboverde besitzt nur ein Patroullienboot um das Gewässer rund um die Republik zu kontrollieren. Immerhin ein Gebiet so gross wie die Schweiz. Trotzdem können sie immer wieder Erfolge verbuchen. Illegale Fischerei, illegale Einwanderer von Westafrika kommend und Drogenschmuggel.



07.März 2006
Heute ist ein Besuch von Baja das Gatas angesagt. Ein Ort wo jedes Jahr ein internationales Musikfestival stattfindet. Trotz dem schönen Sandstrand für mich ein enttäuschender Ort. Ich bleibe im Aluguer sitzen, das weiter nach Salamansa fährt. Der Fahrer teilt mir mit, dass er jetzt seinen Mittagsschlaf mache und mich um 2 Uhr wieder abholen komme. Ich vertraue ihm, denn ich befinde mich wirklich am Ende der Welt. Ein kleiner hübscher Ort, der sich in die Höhe zieht und ein wunderschöner Sandstrand mit Blick auf Santo Antão. Hier lässt es sich leben. Gegen Abend gehe ich wieder nach Laginha, dem kleinen Sandstrand von Mindelo. Nur ein paar Leute an den Fitnessgeräten am Strand, die der Oeffentlichkeit zur Verfügung stehen. Im Restaurant vis-à-vis stehen Spaghetti auf der Speisekarte. Der Tag ist gerettet, wenn die Bolognaisesauce nur nicht süsslich schmecken würde. Na ja, was solls.



08.März 2006
Ausflug nach Calhau, das von den Mindelensern als Wochenenddestination geschätzt wird. Wieder das gleiche Prozedere. Das Aluguer fährt erst am Nachmittag zurück. Da stehe
ich am Strassenrand und bis an den Horizont keine Menschenseele. Ich gehe dem Schild „Sandy Beach“ nach. Eine kleine Ansammlung von Häusern, alle halbfertig. Ein gewohnter Anblick in Caboverde. Es sind Spekulationsobjekte, meist von Emigranten, die sich hier bessere Zeiten erhoffen. „Vila Miséria“ heisst der Ort zutreffend und von „Sandy Beach“ ist nicht viel zu sehen. Eine halbe Stunde später erreiche ich Calhau. Auch hier Mittagsruhe, nur ein paar Hunde die den spärlichen Schatten aufsuchen um zu dösen. In der einzigen improvisierten Kneipe des Dorfes treffe ich ein englisches Ehepaar, das mich erstaunt ansieht, was ich hier suche. Sie wurden vom Taxifahrer hier abgesetzt und wissen nicht richtig, wie und wann sie wieder zurückkommen: Ich beruhige Sie und wir studieren gemeinsam die Landkarte von São Vicente, die ich ihnen überlasse, da sie noch ein paar Tage hier bleiben werden. Am späteren Nachmittag wird die Sicht immer schlechter. „Bruma Seca“, wie der Wind hier genannt wird, der mit dem Jetstream den Saharastaub hier herüber weht. Ein amerikanisches Kreuzfahrtschiff hat eben angelegt und spuckt hunderte von Passagieren aus. Ich treffe Pitt Reitmaier und seine Frau an ihrem Informationsstand, und wir diskutieren, was jetzt diese Leute für einen Eindruck von dieser Region haben. Die Sicht beträgt nunmehr nur noch 50 Meter. Sie gehen dem Quai entlang Richtung Zentrum und wissen nicht richtig was tun. Ich habe keinen Reiseleiter gesehen. Da gehen sie hin mit Foto- und Filmapparaten behängt. Die meisten Damen mit Handtaschen. Das muss für Kriminelle wie eine Einladung wirken. Neben dem Palaçio macht einer Pizza und ist total im Stress ob der vielen Leute. „Um dia da alegria“( Ein Tag der Freude) meine ich, und er lacht nur.

Flugbetrieb bis auf weiteres eingestellt



09.März 2006
Heute ist der Flug nach Sal angesagt. Ich packe zusammen. Kurzer Blick durch den Vorhang. Ich ahne Ungutes. Die Sicht ist nicht besser geworden. Um 10 Uhr Fahrt mit dem Taxi
zum Flughafen São Pedro. Fast keine Passagiere dort. Ich sage dem Fahrer er solle nicht wegfahren. Am Schalter teilt mir die Dame freundlich mit, dass der Flug auf 17.30 ver-schoben ist.  Im Clube Nautico treffe ich das Paar aus Köln, das mir schon in Santo Antão begegnet ist. Sie waren auf dem Törn mit André. Sie wirken besorgt, da ihr Flug von Sal nach München für den Abend angesagt ist. Gegen Abend füllt sich die Abflughalle. André ist auch eben eingetroffen und wir versuchen Optimismus zu verbreiten. Aber nur bis 22.00. Der Flug ist gestrichen. Zurück ins „Chez Loutcha“. Der Consièrge gibt mir lächelnd meinen Schlüssel wieder mit der Bemerkung, er habe schon am Morgen  gewusst, dass wir uns wiedersehen werden. Mittlerweilen brennen mir die Augen, und es knirscht zwischen den Zähnen. Ein „Sagres“ verschafft Linderung.
 

warten warten Dagmar und Bernd am Quiosque

 


10.März 2006

Um 8.00 ins TACV-Büro um die neuesten Informationen zu erhalten. Niemand weiss
wie es weitergeht. Das Ehepaar aus Köln ist am Boden, lässt sich aber nichts anmerken.
Ihr Flugzeug nach Europa ist weg und wie er seinen Geschäftspartner während der Arbeitszeit in Köln anrufen will, läuft nur der Telefonbeantworter. Er tut mir richtig leid. André und ich nehmen es gelassen. Wir haben ja jeden Tag die Möglichkeit von Sal nach Lissabon zu kommen um Gegensatz zu den anderen. TACV fliegt nur einmal wöchentlich. Am Nachmittag wird das Gerücht verbreitet, 2 Flugzeuge seien von Praia unterwegs hierher, und einer behauptet sogar Propellergeräusch gehört zu haben. André und ich schauen uns nur an. Um 14.30 erneuter Gang ins TACV-Büro. Ich habe wieder einmal ein bestätigtes Ticket in der Tasche. Abflug um 22.30. Die Sicht hat sich ein wenig gebessert. Ich gehe zum Hotel, um erneut zu packen.  Der Abflug findet verspätet statt. Am Flughafen in Sal lassen wir den Flug nach Zürich bestätigen. Es dauert wie immer. Lichterlöschen um  3.30 Uhr

 

11./12. März 2006

Morgenessen im „Paz e Bem“. Letztes E-Mail schreiben. Dann mit dem Aluguer nach Santa Maria. André will nicht mit. Im Hotel Morabeza ist Bernard wieder mit Neuankömmlingen beschäftigt und erklärt mir, dass das Hotel erneuert und auf einen höheren Standard gebracht wird. Hinter dem Pontão eine Riesenbaustelle und Hektik. Der vergammelte Bootssteg wird endlich erneuert, weil es bald lebensgefährlich war ihn zu betreten ob der fehlenden und verfaulten Planken. Es bleibt einfach zu hoffen, dass er wieder im gleichen Stil aufgebaut wird, weil das die einzige Touristenattraktion ist, die Santa Maria zu bieten hat. Plötzlich taucht André doch noch auf. Wir sitzen an der Strandbar und amüsieren uns über die Touris mit ihren Armbändern und der meist unvorteilhaften Bekleidung, vor allem der Damen. Wir sind der Meinung, dass die einheimische Bevölkerung vielmals den gefreuteren Anblick bietet. Um 17.00 zurück nach Espargos. Letztes“ in sich gehen“ auf dem Dorfplatz wo die Alten am Kartenspielen sind,. Dann zu Fuss zum Flugplatz, wo ich Mathias mit einer Wandergruppe treffe. Wir sind uns vor zwei Jahren schon einmal in „Chá das Caldeiras“ auf der Insel Fogo begegnet als ich den Pico de Fogo bestiegen habe. Er macht keinen glücklichen Eindruck. Kann aber an der Zusammensetzung seiner Schäfchen liegen. Wie immer Flug nach Lissabon um 1 Uhr früh. Und wie immer verspätete Ankunft dort. Anschlussflug nach Zürich verpasst. Weitere 5 Stunden herumdümpeln auf dem Flugplatz. Dann Ankunft um 16.00 in Zürich, wo Liliane auf mich wartet. Sie hat  aber dank unserer Verspätung das Formel -1 Rennen in der “Bye Bye Bar“ am Fernseher verfolgen können.  Grosses Anstehen am Gepäckschalter. Wir müssen feststellen, dass das Gepäck wieder mal in Lissabon liegen geblieben ist. Alles in allem wieder einmal eine ereignisreiche Zeit auf Caboverde mit immer wieder neuen Eindrücken und Begegnungen. So macht es Spass zu reisen. Mit der richtigen Einstellung ist das für mich die schönste Art Ferien zu machen. Dort sein, die Eindrücke auf sich einwirken und die Seele baumeln lassen.    Até no próximo año.

         
         
Zusätzliche Impressionen